Quark des Monats: Es gibt sie noch

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Vielleicht kennen Sie diese Situation, die die Rubrik Quark des Monats im Januar 2019 eröffnet.

Wir schreiben das Jahr eins nach der Umstellung aller QM-Systeme auf die ISO 9001:2015. Die Änderungen der Norm haben zu Veränderungen geführt, die ich getrost als Niveausteigerung bezeichnen kann. Geschäftsführungen werden stärker gefragt, sich einzubringen, QM-Beauftragte und Prozesseigner werden mit neuen Themen konfrontiert. Auch Auditoren und Auditorinnen müssen sich umstellen. Zertifizierungsgesellschaften haben ihre Auditprozesse angepasst, neue Formularstrukturen kann ich hier und da zur Kenntnis nehmen, die von internen Änderungen der Gesellschaften zeugen. Da eine Reihe von Auditoren und Auditorinnen sich in den Ruhestand begeben hat, sind neue Zertifizierungsauditoren und -auditorinnen bisweilen anzutreffen. (Bei der Gelegenheit fällt mir auf, keine einzige Frau im Kreise der „neuen Auditoren“ kennengelernt zu haben. Meine Perspektive ist jedoch nicht repräsentativ, daher will ich diesen Gedankengang gar nicht vertiefen.)

Allerdings bleibt uns das ein oder andere Faktotum in der Branche erhalten.

Letzte Woche telefonierte ich mit einer Kundin zur Vorbereitung des anstehenden internen Audits. Außer über Veränderungen der letzten Monate im Unternehmen, sprachen wir natürlich über das Zertifizierungsaudit zur Umstellung auf die ISO 9001:2015 letzten Sommer. Sie erinnern sich, letzten Sommer, als es nicht nur für alle sehr heiß war, sondern die Zertifizierungsgesellschaften wahrlich einen terminlichen Kraftakt hinlegen mussten, um die Pflicht der Umstellungen hinzubekommen. Das Unternehmen meiner Kundin wird innerhalb von zwei Tagen an zwei Standorten von zwei Auditoren besucht. Einer davon ist Lead-Auditor und kennt den bzw. die QMB sowie den Führungskreis schon mehrere Jahre. Zwischen den beiden Parteien herrscht ein konstruktiver Umgang, die Führungskräfte diskutieren mit ihm in der Sache, man spricht sonst freundlich und bisweilen lacht man sogar miteinander.

Letzten Sommer wurde dieser „gute“ Auditor von einem Co-Auditor begleitet, der noch unbekannt war, sich nun aber unrühmlich einen Namen gemacht hat. Ich war sprachlos – das kommt selten vor – als meine Kundin mir davon erzählte.

Im Eröffnungsgespräch mit dem Führungskreis eines Standortes trommelte er sich fleißig auf der Brust herum, protzte mit seinen Errungenschaften als Automotive-Auditor und ergötzte sich an den angewiderten Blicken seiner Zuhörerschaft, als er Details seiner kürzlich erlittenen Prostata-Geschichte zum Besten gab. Fühlte er sich dazu animiert, weil Krankenhäuser zum Kundenkreis des Unternehmens zählen?

Die sonst so konstruktiven Diskussionen verliefen zäh, nun gut, aber mit einem rechthaberischen Auditor ist es ja nicht so einfach. Die Führungskräfte blieben tapfer und wehrten sich zu meiner Freude gegen angebliche Abweichungen.

Getoppt hat er seinen Ruf, der schon nach zwei Gesprächen durch das Haus kursierte, zum Abschluss in der Marketingabteilung. Er versuchte wohl sein Nicht-Wissen und mangelnde Vorstellungskraft bezüglich Marketingprozesse zu kompensieren, indem er seinen „Charme“ spielen ließ. Sexistische Anzüglichkeiten sind jedoch das letzte, was in irgendein Gespräch dieser Art gehören. Wer sich am längeren Hebel fühlt, zeigt sich gerne von seiner wahren Seite.

Herzlichen Glückwunsch zum Quark des Monats.

Liebe Zertifizierungsgesellschaften, es kann nicht sein, dass ihr in Zeiten, in denen Normen sich der Themen „psychologische und physische Faktoren“ an Arbeitsplätzen annehmen, solch einen Auditor zum Kunden schickt.

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